Polnische Schüler zu Gast im Berufskolleg Kohlstraße

Polnische Schüler zu Gast bei den Schülern des Berufskolleg Kohlstraße in Wuppertal.

Rückbesuch im Rahmen des Schüleraustausch mit Gliwice (Polen); Fortsetzung des Projekts:
Erstellung einer "Homepage gegen das Vergessen" mit den gemeinsamen „Orten der Erinnerung“ (www.erinnerungen-auschwitz.de / http://againstforgetting.cba.pl/wp/de/)

Zum zweiten Mal besuchten Schülerinnen und Schüler unserer Partnerschule Zespol Szkol Techniczno - Informatycznych ( www.zsti.gliwice.pl ) in Gliwice/ Polen das Berufskolleg Kohlstraße in Wuppertal.

Das Programm der deutsch-polnischen Schülerbegegnung vom 01.10.-05.10.2018 war sehr umfangreich. Es beinhaltete neben einer Stadtführung der Stadt Wuppertal in deutsch-polnischen Kleingruppen, der Stadionführung im Signal-Iduna-Parks mit Besuch des Fußballmuseums (Blickwinkel: Fußball und Nationalsozialismus) in Dortmund und einer Stadtralley in Köln, viele Orte der Erinnerung an den Nationalsozialismus. Stationen in denen die grausame Deportierung und Ermordung von tausenden Menschen durch den Nationalsozialismus bis heute sichtbar sind.

Zu den Stationen gehörten die Besichtigung der Mahn- und Gedenkstätte Steinwache in Dortmund. Wie überall im Deutschen Reich nutzte damals die neugegründete Geheime Staatspolizei (Gestapo) die Einrichtungen der „normalen“ Polizei und so wurde die Steinwache bald nicht nur zum Gefängnis für die von der Gestapo verfolgte politische Opposition der Nationalsozialisten, sondern auch Ort brutaler Verhöre und Folterungen. Schnell als „Hölle von Westdeutschland“ bekannt, war es für viele Insassen nur Durchgangsstation auf dem Weg in ein Konzentrationslager.

Eine weitere Station war die Stadtteilführung in Köln Ehrenfeld (Schwerpunkt: Verfolgung  durch den Nationalsozialismus am Beispiel unterschiedlicher Biographien) mit anschließender Besichtigung des EL-DE Hauses. Das EL-DE-Haus ist ein nach den Initialen seines Erbauers Leopold Dahmen genanntes ursprünglich als Wohn- und Geschäftshaus konzipiertes Haus in Köln, das als Gestapodienststelle und Gefängnis zwischen 1935 und 1945 zum Inbegriff nationalsozialistischer Schreckensherrschaft in Köln wurde. Seit 1988 beherbergt es das NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln.

Die deutschen Schüler waren auf den Besuch der polnischen Schüler und der gemeinsamen Projektarbeit gut vorbereitet. So hatten die Schüler vor dem Besuch die Aufgabe, sich über sogenannte Stolpersteine zu erkunden, Informationen zu dokumentieren und dann mit den polnischen Schülern Texte zu den Stolpersteinen zu verfassen und diese im Plenum vor zu tragen. Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialismus (NS-Zeit) verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. So z.B. die Elberfelderin Johanna Bachenheimer, die  im Oktober 1941 nach Lodz deportiert wurde und dort im Mai 1942 im Vernichtungslager Chelmno ermordet wurde.

Die Schüler hatten während des Rückbesuchs der polnischen Schüler weiterhin auch noch die Aufgabe an dem in Polen begonnenen Projekt zu arbeiten. Nämlich die Erstellung einer Homepage mit den Orten der gemeinsamen Erinnerung an den Holokaust. Diese aktuelle Erinnerungskultur sollte auf Ihre Zeitgemäßheit überprüft werden. Die Berichte wurden in gemischten Gruppen in beiden Sprachen erstellt und beschreiben die zusammen besuchten Orte, die für die gemeinsame deutsch- polnische Geschichte bedeutend waren. Es entstanden eine Vielzahl an Artikeln über die unterschiedlichen Orte in Polen und Deutschland, die auf einer gemeinsamen Abendveranstaltung präsentiert wurden und auf der Internetseite (www.erinnerungen-auschwitz.de ) veröffentlicht sind.

Auch diesmal führte die  intensive Zusammenarbeit der polnischen und deutschen Schülergruppen in dem gemeinsamen Projekt zu einer Vertiefung des gegenseitigen Verständnisses und der Freundschaft. Die Schüler meisterten sprachliche Schwierigkeiten und bekamen Einblicke in die Lebensweisen von Gleichaltrigen und deren Erinnerungskultur.

Die finanzielle Förderung der Projekte machten die gegenseitigen Besuche der Partnerschulen und die Zusammenarbeit der gemischten Schülergruppen erst möglich.
Das begleitende Lehrerteam Marita Zaika, Rüdiger Duckheim, Holger Poensgen und Reinhardt Podeschwa bedankt sich besonders beim Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW), der Sanddorf-Stiftung und dem Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes NRW (Richeza-Preis).