Schüleraustausch Gleiwitz 2018

Zum vierten Mal nahmen Schüler und Schülerinnen des Berufskollegs Kohlstraße aus der Berufsfachschule Staatlich geprüfte Kinderpfleger, der Fachoberschule und der Höheren Berufsfachschule an der Studienfahrt zu unserer Partnerschule Zespol Szkol Techniczno - Informatycznych nach Gliwice in Polen teil.

Im Mittelpunkt des siebentägigen Besuchs der deutschen Schüler und Schülerinnen in Polen im September, stand das Projekt „Wege der Erinnerung“ des Deutsch-Polnischen Jugendwerkes (DPJW). Im Rahmen dieses Projektes besuchten die 23 deutschen und 21 polnischen Schüler die Gedenkstätte und das Vernichtungslager in Ausschwitz-Birkenau und das Museum Galicja in Krakau. An zwei aufeinanderfolgenden Tagen nahmen die Schüler an einer Führung durch den Konzentrationslagerkomplex teil und erfuhren so mehr zum Holocaust und zur Funktionsweise des größten deutschen Vernichtungslagers der Nationalsozialisten. Die große Zahl der ermordeten Insassen aber vor allem auch die vielen persönlichen Schicksale, die bei der Führung durch das Stammlager I mit der Torbogeninschrift „Arbeit macht frei“ und dem KL. Ausschwitz-Birkenau beschreiben wurden machte die Schüler sehr betroffen. Der Rundgang zeigte, wie das Internierungslager für polnische politische Gefangene schnell zu einem Schauplatz grausamer Massenmorde wurde. Über den Besuch der Gedenkstätte und des Museums hinaus arbeiteten die Schüler in einem Workshop an dem Thema „Eine Liebe im KZ“. Sie nutzten dabei das pädagogische Angebot der Gedenkstätte vor Ort und konnten sich so intensiv mit dem Nationalsozialismus auseinandersetzen. Die Schüler haben mit den Informationen des Workshops über tatsächliche Liebschaften im Lager, nähere Erkenntnisse über den Lageralltag bekommen.
Die Erzählungen einer Überlebenden des Vernichtungslagers und die anschließende Fragerunde im Galicja-Museum waren für die Gruppe sehr bewegend und blieben nachhaltig in Erinnerung.

Ein weiterer Workshop am nächsten Tag spannte den Bogen von der Vernichtung von millionen Menschen in der Vergangenheit im 3. Reich zu heutigen Diskriminierungen im Alltag. Die Schüler erfuhren am eigenen Körper, was kleine Herabwürdigungen im täglichen Leben sind und was sie für die Betroffenen bedeuten. Über Rollenspiele wurde den Schülern handlungsorientiert die Bedeutung der "Pyramide der Gewalt" nähergebracht. Sie beginnt mit negativen Bemerkungen über körperliche Gewalt und endet mit der völligen Vernichtung.

Die Schüler hatten während des Besuchs die Aufgabe, eine Homepage mit den Orten der gemeinsamen Erinnerung an den Holokaust zu erstellen und diese auf Ihre Zeitgemäßheit zu überprüfen. Die Berichte wurden in gemischten Gruppen in beiden Sprachen erstellt und beschreiben die zusammen besuchten Orte, die für die gemeinsame deutsch- polnische Geschichte bedeutend waren. Es entstanden eine Vielzahl an Artikeln über die unterschiedlichen Orte in Polen, die auf einer gemeinsamen Abendveranstaltung präsentiert wurden und hier bald auf der Homepage veröffentlicht werden.

Diese intensive Zusammenarbeit der polnischen und deutschen Schülergruppen in dem gemeinsamen Projekt führte zu einer Vertiefung des gegenseitigen Verständnisses und der Freundschaft. Die Schüler meisterten sprachliche Schwierigkeiten und bekamen Einblicke in die Lebensweisen von Gleichaltrigen und deren Erinnerungskultur.

Die finanzielle Förderung der Projekte machten die gegenseitigen Besuche der Partnerschulen und die Zusammenarbeit der gemischten Schülergruppen erst möglich.
Das begleitende Lehrerteam Marita Zaika, Holger Poensgen und Reinhardt Podeschwa bedankt sich besonders beim Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW), der Sanddorf-Stiftung und dem Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes NRW (Richeza-Preis).