Polenprojekt 2017-Besuch der Partnerschule in Gleiwitz

Schüler und Schülerinnen des Berufskolleg Kohlstraße und des technischen Berufskolleg Gliwice (Gleiwitz) packen gemeinsam einen „Erinnerungskoffer“. Zum vierten Mal nahmen Schüler und Schülerinnen des Berufskollegs Kohlstraße an der Studienfahrt nach Gliwice teil.

Das Programm des diesjährigen Besuchs der deutschen Schüler in Polen im September diesen Jahres war gewaltig. Im Rahmen des Projektes mit Unterstützung des Deutsch-Polnischen Jugendwerkes (DPJW), der Sanddorf-Stiftung und der Landesregierung NRW besuchten 21 Schülerinnen und Schüler des Berufskolleg Kohlstraße der Stadt Wuppertal aus der Berufsfachschule Staatlich geprüfte Kinderpfleger, der höheren Berufsfachschule und der Fachoberschule die Gedenkstätte und das Vernichtungslager in Ausschwitz-Birkenau und das Museum Galicja in Krakau. An zwei Tagen...

                     

...nahmen die Schüler an einer Führung durch den Konzentrationslagerkomplex in die am zweiten Tag ein Workshop mit dem Thema "Frauen als Täter im Konzentrationslager" integriert war teil und erfuhren so mehr zum Holocaust und zur Funktionsweise des größten deutschen Vernichtungslagers der Nationalsozialisten.

 

Das Betreten des Lagers Ausschwitz I durch den Torbogen mit der Inschrift „Arbeit macht frei“ und dem dahinterstehenden Zynismus führte die Schüler an ihre Grenzen der emotionalen Belastbarkeit. Hier erfuhren Sie, wie dieses Internierungslager für polnische politische Gefangene schnell zu einem Schauplatz grausamer Massenmorde wurde.

Besonders der Bericht einer Überlebenden des Vernichtungslagers und die anschließende Fragerunde im Galicja-Museum waren für die Schüler und Lehrer gleichsam bewegend und blieben nachhaltig in Erinnerung.

Auf dem Programm standen außerdem die Führung durch das jüdische Viertel Kazimierz in Krakau mit dem Besuch der Ausstellung „Traces of Memory“, eine Stadtralley durch Krakau die Besichtigung der Partnerschule und der Stadt Gleiwitz (Gliwice), sowie die individuelle Stadtführung durch Breslau.
Bei einem so umfangreichen Programm blieb den Schülern kaum Zeit für Erholung.

Zur Vorbereitung auf diese Fahrt und das Projekt haben sich die deutschen Schülerinnen und Schüler mit der Geschichte Polens und Oberschlesiens bekannt gemacht. Sie haben Briefe an einen fiktiven Brieffreund geschrieben, in denen sie ihre Erwartungen an die Projektwoche und die Auseinandersetzung mit dem schwierigen Thema der Geschichte formulierten. Beim Nachtreffen am 28.11.2017 werden diese Briefe zur Evaluation weiter verwendet.

Im Mittelpunkt des Schülerbesuchs stand auch die Kontaktaufnahme zwischen den Schülern beider Schulen während des gemeinsamen Aufenthalts. So bereiteten die Schüler auch selbst Programmpunkte vor, z.B. die Begrüßung, die Stadtführung durch Gliwice "Ich zeig´ Dir meine Stadt" und sie waren auch für die Organisation der Abschiedsfeier verantwortlich. Die polnischen Teilnehmer beschlossen die Stadtführung in Gliwice selbst zu übernehmen, damit sie ihren Gästen die Stadt mit den Augen eines jungen Menschen zeigen konnten. Diese Zusammenarbeit der deutsch-polnischen Kleingruppen funktionierte sehr gut. Direkte Kontakte in unterschiedlichen Alltagssituationen erlaubten allen Teilnehmern sich näher kennen zu lernen, Meinungen auszutauschen und festzustellen, dass sie viele Gemeinsamkeiten haben und die Probleme der jungen Leute in beiden Ländern ähnlich sind. Während der Kommunikation mussten die Teilnehmer ihre Schwächen wie Schüchternheit, Unsicherheit, Angst vor etwas Unbekanntem überwinden. Sie mussten Probleme lösen und in ungewohnten Situationen reagieren.

Mit der Absicht der gemeinsamen „Auseinandersetzung mit der Geschichte“ und dem „Lernen aus der Geschichte“ sollten die deutschen und polnischen Schülerinnen und Schüler am Ende des Besuchs in Kleingruppen einen gemeinsamen Erinnerungskoffer packen.

 Sie sollten im Rahmen dieses Projekts die schwierige Frage einer Erinnerungskultur durch die kreative Gestaltung des Koffers umsetzen.
Der Erinnerungskoffer hatte dabei zwei Schwerpunkte: Zum einen beinhaltet er das, was in den Augen der Schüler geschichtlich auf keinen Fall in Vergessenheit geraten darf, zum anderen haben die Schüler Gegenstände in den Koffer gelegt, die für das Gemeinsame stehen, das die Schüler miteinander erlebt haben und das nicht in Vergessenheit geraten darf.
Neben den Objekten selbst, sollte von den einzelnen Gruppen eine Erklärung für die Auswahl ihrer Objekte in deutscher und polnischer oder englischer Sprache dazu gelegt werden. So entstand ein interessanter und vielfältiger Koffer, der am Ende der Erarbeitungsphase von den Schülern gemeinsam präsentiert wurde.
Aktuell wird der Koffer im Lehrerzimmer des Berufskollegs Kohlstraße ausgestellt und soll anschließend in den Klassen der mitgereisten Schüler vorgestellt werden.

Die Zusammenarbeit in Gruppen und das gemeinsames Erkunden der Geschichte und Kultur während der Ausflüge führte zu einer Förderung der Kommunikationskompetenz, zum Aufbau von Austausch und Beziehungen und zu einer Entwicklung von Toleranz den anderen gegenüber, Verständnis, dass man die Meinung der anderen Mitmenschen in Betracht nehmen muss, wenn man ein Ziel erreichen möchte.

Reinhardt Podeschwa

in Breslau vor dem Dom

in Gleiwitz vor der Schule

in Breslau auf dem Skytower